Quelle: wikipedia.de

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Das Thema Umwelt bzw. Umweltfreundlichkeit hat unlängst Einzug in die Wirtschaft gehalten. Was vor Jahren sogar von Seiten der Politik noch mehr oder minder mit einem Schmunzeln abgetan wurde, ist mittlerweile zu einem zentralen Thema geworden – auch aus marketingstrategischer Sicht. Denn auch Privatpersonen, Käufer und solche, die es werden wollen, haben sich umweltverträgliche Richtlinien auf die Fahnen geschrieben. Ein Grund mehr, weswegen sich auch die Autoindustrie zukünftig verstärkt mit umweltschonenden Automobilen und ressourcen-schonender Technik auseinandersetzen muss. Wir zeigen, woran beim größten Automobilhersteller Europas, Volkswagen, derzeit gearbeitet wird und beantworten die Frage, was die Autos von morgen können sollen und wollen.

Weniger Abgase – mehr Vernetzung

Bei einer Sache ist sich die Autoindustrie einig: Automobile, die ohne Vernetzung auskommen müssen, werden zukünftig kaum noch an den Mann zu bringen sein. Diese fast irrwitzige Entwicklung ist auch die Meinung von Martin Winterkorn, seines Zeichens Chef von Volkswagen. Neben der Vernetzung durch das mobile Internet, was für Autofahrer nicht nur bessere Kommunikation und neue Infotainmentsysteme bedeutet, sondern letztendlich auch zur Sicherheit im Verkehr beitragen soll, fokussieren sich die Entwickler auch auf eine Reduzierung des Abgasausstoßes.
Für die Automobilhersteller ist dies aber eine eher unschöne Entwicklung. Denn wie Martin Winterkorn mitteilte, schlägt der technische Extraaufwand ordentlich zu Buche. 100 Millionen Euro koste es dem Hersteller, wenn er den Abgasausstoß je Flotte auch nur um ein Gramm CO2 reduziere. Und dennoch: Bei Volkswagen arbeiten die Ingenieure mit Hochdruck an effektiven und möglichst auch günstigen Lösungen. Bis zum Jahr 2018 sollen aus dem VW-Konzern nur noch Autos hervorkommen, die serienmäßig vernetzt sind.

Getriebe mit zehn Gängen auf dem Vormarsch

Ganz weit vorne in der Entwicklung steht momentan das 10-Gang-Getriebe, für das Volkswagen sogar bereits konkrete Planungen verfolgt. In zwei bis drei Jahren soll es den ersten Wagen aus dem Hause Volkswagen geben, das mit dem neuen Getriebe ausgerüstet ist. Ist aber auch nicht verwunderlich: Immerhin bieten Motor und Getriebe die besten Möglichkeiten, um die Stellschrauben hinsichtlich geringerem Verbrauch bei gleichbleibender Leistung in die Wirklichkeit umzusetzen.

Die ersten, die mit dem neuen Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet werden sollen, sind der VW Phaeton sowie der Audi A8. Das Besondere hierbei ist vor allem, dass sich dieses zum bisherigen 7-Gang-Getriebe nicht groß unterscheiden soll. Denn die Größe bleibt erhalten. Möglich wird dies durch eine Leistungsumlenkung. Das neue DSG soll sowohl für Benziner wie auch für Diesel zum Einsatz kommen, standardmäßig mit Allradantrieb gekoppelt sein und deutlich weniger verbrauchen als das siebengängige DSG.

Dieselverbesserungen geplant

Die Diesel-Aggregate sollen nicht mehr ruckeln. Dies ist eines der wesentlichen Aufgaben, denen sich die Entwickler bei Volkswagen derzeit verschrieben haben. Doch damit nicht genug, denn es ist ein gänzlich neuer Diesel geplant. Dieser soll mit vier Zylindern und 2,0 Liter Hubraum daherkommen und den bisherigen TDI nochmals um 32 PS überbieten und von nun an 272 Pferdestärken aufbringen können. Ausgegebener Normverbrauch für den neuen Diesel: 5,3 Liter.

Auch bei der Start-Stopp-Automatik wird Hand angelegt. Von nun an schaltet diese den Motor nicht erst aus, wenn man steht, sondern bereits aber einer Geschwindigkeit von 7 km/h. Ob das Auto wirklich stehenbleiben oder weiterrollen soll, das kontrollieren spezielle Sensoren.

Technische Weiterentwicklung ist das große Stichwort, dem sich Volkswagen derzeit hingibt. Wie bereits vorgestellt wurde, kümmert sich der Automobilkonzern vor allem um eine Reduktion der Abgaswerte sowie um eine bessere Vernetzung. In diesem Teil zeigen wir, wo Volkswagen die Stellschrauben konkret ansetzen möchte.

Energie sparen durch abgeschalteten Motor

Die bereits angesprochene Start-Stopp-Automatik soll zukünftig nicht nur früher den Motor ausschalten, sondern auch besser auf Startvorgänge reagieren können. Dies soll den Anlassvorgang verkürzen und letztendlich ebenfalls in einer Einsparung im Abgasverhalten münden.

Bereits bekannt ist die Segelfunktion, die einsetzt, wenn der Fuß vom Gas genommen wird. Das Fahrzeug fährt dann ohne angelassenen Motor. Dies soll sogar in allen Geschwindigkeiten möglich sein. Dass das Fahrzeug dann doch noch abgebremst werden kann, dies regelt ein Pufferspeicher, der die notwendige Energie zur Verfügung stellt. Lenkung und Getriebe sollen über die Elektronik unterstützt werden, sodass keine Gefahr droht, die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren.

Die einzige Frage, die bleibt, ist nach dem Fahrgefühl. Dass es erst einmal etwas merkwürdig sein wird, wenn das Automobil bei über 200 Stundenkilometern den Motor ausstellt, ist Fakt. Derzeit ist die Segelfunktion nur beim siebengängigen DSG verfügbar.

Weniger Arbeit – weniger Kosten

Auch das verwendete Material steht bei Volkswagen unter Beobachtung. Derzeit wird darüber nachgedacht, gewonnene Erkenntnisse aus der Rallye auch in den serienmäßig produzierten Fahrzeugen umzusetzen. Das Sandwich-Prinzip soll hier zur Anwendung gelangen. In der Zukunft könnte Aluminium zunehmend aus dem Fahrzeug verschwinden. Die Karosserie soll unter anderem mit Stahlkonstruktionen gefertigt werden, die thermoplastische Elemente einschließen, die zwar dieselben Biegeeigenschaften und die gleiche Steifigkeit wie bisherige Materialien aufweisen, dafür aber weniger wiegen. Das deutsche Traditionsunternehmen Thyssen ist derzeit mit dieser Entwicklung beauftragt.

Auch die Klimaanlagen sollen weiterentwickelt werden. Zukünftig werden die Kompressoren nur noch arbeiten, wenn Luft aufgewärmt oder entfeuchtet werden soll. Auch hier verspricht sich Volkswagen nachhaltige Einsparpotentiale. Doch diese Idee reicht noch etwas weiter. Denn was wäre, wenn die Klimaanlage insgesamt weniger leisten müsste, da sich Wärme im Innenraum des Fahrzeugs schlechter ansammle? Umgesetzt werden soll dies durch die Installation neuer Oberflächen. Insbesondere infrarotreflektierende Instrumententafeln soll es geben. Und heller soll es werden, denn dunklere Flächen speichern Wärme besser als hellere Applikationen.

Die Farbkorrektur wird in der Zukunft durch neuartige Einfärbungsmethoden umgesetzt. Wird derzeit Ruß verwendet, möchte man von nun an Metalloxid-Pigmente einsetzen, die UV-Strahlung besser reflektieren, anstatt diese zu absorbieren und den Innenraum so zu erhitzen. Rund 20 Grad Celsius weniger Oberflächentemperatur soll hierdurch möglich sein.

Neue Fenstertechnik für bessere Wärmeabsorption

Das einzige, was noch effektiver wäre, ist zu verhindern, dass Wärme überhaupt erst in das Fahrzeug gelangt. Auch hier möchte der VW-Konzern die Hebel einsetzen. Durch ein neu beschichtetes Glasdach soll die Wärmeabstrahlung reguliert werden. LowE nennt sich die Technik, hinter dessen Kürzel sich „Low-Emissivity“ verbirgt.

Konkret bedeutet dies, dass eine dünne Oxidbeschichtung aufgetragen wird, die sowohl gegen Kratzer und Biegungen widerstandsfähig ist, jedoch keine Infrarotstrahlen hindurchlässt. Diese werden reflektiert. Kurzwellige Sonnenstrahlen gelangen allerdings durch die Oxidschicht. Licht gelangt demnach durchaus in den Innenraum. Resultat hiervon: Ein hell erleuchtetes Fahrzeug, das jedoch kaum erhitzt. Ob diese Technik nur für das oben gelegene Glasdach umgesetzt wird oder ob auch andere Fenster- bzw Glaseinheiten damit ausgestattet werden sollen, ist noch nicht geklärt.

In den ersten Tests ergab sich, dass unter beschichteten Gläsern die Temperatur circa sieben Grad Celsius geringer war als unter herkömmlichen Glaseinheiten. Dies hat auch Vorteile für den Winter. Zwar gelangen im Sommer keine langwelligen Infrarotstrahlen in den Innenraum, jedoch auch von innen nicht nach außen. Heißt konkret, dass Körperwärme im Winter effektiver gespeichert wird, da sie von den beschichteten Gläsern reflektiert wird. Auch der unangenehme „Kalte-Kopf-Effekt“ soll hierdurch gemindert werden.

15 Prozent weniger Heizbedarf im Winter und ebenso weniger Wärmeeintrag im Sommer sollen hieraus resultieren. Damit lässt sich arbeiten. Immerhin bedeutet dies, dass rund 0,5 Gramm weniger CO2 je gefahrenen Kilometer ausgestoßen werden. Wie dies konkret finanziert wird und welche Kosten die Käufer erwarten werden, das lässt sich noch gar nicht sagen. Klar ist aber, dass in den kommenden Jahren einiges in puncto Technik und Umweltverträglichkeit zumindest seitens Volkswagen zu erwarten sein wird.

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